Die vorläufig letzte Station in Indien hat uns in die Wüstenstadt Bikaner geführt. Wieder einmal haben wir den Ortswechsel mit einem Taxi bevorzugt, aus schon ausführlich genannten Gründen.
Die Unterkunft haben wir diesmal bei einem in unserem Reiseführer empfohlenen Kamelsafari-Veranstalter gebucht, um dort gleich am Folgetag auf eine Kameltour durch die Wüste zu gehen. Nach dem der nette Besitzeronkel uns gleich noch eine weitere Tour angeboten hat, die zudem noch ziemlich verlockend klang, ist uns die Entscheidung leicht gefallen, die restliche Zeit unseres Indientrips mit Ihm und seinen Leuten zu verbringen. Und weil wir für hiesige Verhältnisse ein Vermögen haben liegen lassen, waren wir so zusagen die “special guests of the week”. Auf meine Preisverhandlungsversuche wollte er nicht eingehen, “my discount is my special service” verspricht er uns.
Um 10:00 Uhr morgens des Folgetags ging’s dann los auf unsere Kameltour. Nur wir beide, vier Inder, drei Kamele und ein Kamelwagen, auf dem alles nötige transportiert wurde, machten sich auf in die Wüste.


Am Mittag gab’s dann ein exklusives Lunch. Wir trauten unseren Augen nicht, als die vier ihre Campingkocher ausgepackt haben und begonnen haben frisches Gemüse zu schnipseln. Wir sollten uns derweil wie Prinz und Prinzessin unter einen schattigen Baum legen. Die haben uns doch tatsächlich vier verschiedene Gemüsegerichte, Reis und frisches Brot kredenzt. Vom Feinsten! Natürlich gab’s auch noch Vor- und Nachspeise. Am Übernachtunsplatz war schon ein Zelt aufgebaut und zwei weitere Angestellte haben uns das Bett für die Nacht gerichtet. Abendessen wurde natürlich auch noch frisch gekocht. Bei Lagerfeuer und einem extra engagierten Musiker haben wir dann den Tag ausklingen lassen. Zurück ging’s am nächsten Morgen auf dem Kamelkarren.
Bei der zweiten Tour haben wir dann drei Tage mit dem Besitzeronkel höchstpersönlich verbracht. Er bietet diesen Trip nach Shekhawati erst seit Mitte des Jahres an und ist noch in der Experementierphase. Somit dachten wir uns, das könnte uns ein Indien zeigen, das fern ab von den Touristenhochburgen ist und zudem noch mit viel Enthusiasmus durchgeführt wird.
Wir haben uns zahlreiche Havelis angeschaut. Havelis sind ehemalige Handelshäuser, an denen die Händler, um Ihren Reichtum zu zeigen, schöne Malereien an die Wänden haben zeichnen lassen. Ok, sauberer als in den Touristenstädten war’s auch nicht. Der zeitweise Regen hat den Dreck, Staub und die Kuhfäkalien wunderbar zu einer schlammigen Gesamtmasse werden lassen. Aber gut, damit konnten wir leben. Wir wissen nicht, ob und wie viele von den Menschen, denen wir begegnet sind, schon mal Menschen wie uns gesehen haben, aber die Reaktionen waren durchweg positiv. Die meisten haben uns gewunken, angelächelt oder einfach nur angestarrt, als wären wir Menschen von einem anderen Planeten.



Am Abend hat uns der Besitzeronkel dann ein wenig von den indischen Hochzeitsbräuchen erzählt und wie das so abläuft, wenn er für seine Tochter einen Mann aussucht (Das ist ein ziemlich teurer Spaß). Seine Angestellten haben währenddessen doch tatsächlich für uns die Erdnüsse öffnen müssen und uns nur das Essbare davon gegeben. Die Frau hat die Erdnüsse für Anette geöffnet und der Mann für mich, das war aber nur einer der Momente in denen wir uns mindestens 100 Jahre zurückversetzt gefühlt haben.
Und weil Indien so anders war noch ein paar Impressionen:


3 Wochen Indien sind ausreichend für unsere Sinne, haben wir uns gedacht. Tja, und nun sitzen wir schon im Flieger nach Australien. In der Silvesternacht gab’s die günstigsten Flüge. Somit haben wir den Jahreswechsel im Delhi Flughafen verbracht und sind nun mit unserem zweiten Flieger von Bangkog nach Melbourne mehr als glücklich, weil wir hier praktisch den ganzen Flieger für uns haben und uns über alle Sitze quer legen können.