3 Wochen sind ausreichend!

3 01 2011

Die vorläufig letzte Station in Indien hat uns in die Wüstenstadt Bikaner geführt. Wieder einmal haben wir den Ortswechsel mit einem Taxi bevorzugt, aus schon ausführlich genannten Gründen.

Die Unterkunft haben wir diesmal bei einem in unserem Reiseführer empfohlenen Kamelsafari-Veranstalter gebucht, um dort gleich am Folgetag auf eine Kameltour durch die Wüste zu gehen. Nach dem der nette Besitzeronkel uns gleich noch eine weitere Tour angeboten hat, die zudem noch ziemlich verlockend klang, ist uns die Entscheidung leicht gefallen, die restliche Zeit unseres Indientrips mit  Ihm und seinen Leuten zu verbringen. Und weil wir für hiesige Verhältnisse ein Vermögen haben liegen lassen, waren wir so zusagen die “special guests of the week”. Auf meine Preisverhandlungsversuche wollte er nicht eingehen, “my discount is my special service” verspricht er uns.

Um 10:00 Uhr morgens des Folgetags ging’s dann los auf unsere Kameltour. Nur wir beide, vier Inder, drei Kamele und ein Kamelwagen, auf dem alles nötige transportiert wurde, machten sich  auf in die Wüste.

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Am Mittag gab’s dann ein exklusives Lunch. Wir trauten unseren Augen nicht, als die vier ihre  Campingkocher ausgepackt haben und begonnen haben frisches Gemüse zu schnipseln. Wir sollten uns derweil wie Prinz und Prinzessin unter einen schattigen Baum legen.   Die haben uns doch tatsächlich vier verschiedene Gemüsegerichte, Reis und frisches Brot kredenzt. Vom Feinsten! Natürlich gab’s auch noch Vor- und Nachspeise. Am Übernachtunsplatz war schon ein Zelt aufgebaut und zwei weitere Angestellte haben uns das Bett für die Nacht gerichtet. Abendessen wurde natürlich auch noch frisch gekocht. Bei Lagerfeuer und einem extra engagierten Musiker haben wir dann den Tag ausklingen lassen. Zurück ging’s am nächsten Morgen auf dem Kamelkarren.

Bei der zweiten Tour haben wir dann drei Tage mit dem Besitzeronkel höchstpersönlich verbracht. Er bietet diesen Trip nach Shekhawati erst seit Mitte des Jahres an und ist noch in der Experementierphase. Somit dachten wir uns, das könnte uns ein Indien zeigen, das fern ab von den Touristenhochburgen ist und zudem  noch mit viel Enthusiasmus durchgeführt wird.

Wir haben uns zahlreiche Havelis angeschaut. Havelis sind ehemalige Handelshäuser, an denen die Händler, um Ihren Reichtum zu zeigen, schöne Malereien an die Wänden haben zeichnen lassen. Ok, sauberer als in den Touristenstädten war’s auch nicht. Der zeitweise Regen hat den Dreck, Staub und die Kuhfäkalien wunderbar zu einer schlammigen Gesamtmasse werden lassen. Aber gut, damit konnten wir leben. Wir wissen nicht, ob und wie viele von den Menschen, denen wir begegnet sind, schon mal Menschen wie uns  gesehen haben, aber die Reaktionen waren durchweg positiv. Die meisten haben uns gewunken, angelächelt oder einfach nur angestarrt, als wären wir Menschen von einem anderen Planeten.

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Am Abend hat uns der Besitzeronkel dann ein wenig von den indischen Hochzeitsbräuchen erzählt und wie das so abläuft, wenn er für seine Tochter einen Mann aussucht (Das ist ein ziemlich teurer Spaß). Seine Angestellten haben währenddessen doch tatsächlich für uns die Erdnüsse öffnen müssen und uns nur das Essbare davon gegeben. Die Frau hat die Erdnüsse für Anette geöffnet und der Mann für mich, das war aber nur einer der Momente  in denen wir uns mindestens 100 Jahre zurückversetzt gefühlt haben.

Und weil Indien so anders war noch ein paar Impressionen:

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3 Wochen Indien sind ausreichend für unsere Sinne, haben wir uns gedacht. Tja, und nun sitzen wir schon im Flieger nach Australien. In der Silvesternacht gab’s die günstigsten Flüge. Somit haben wir den Jahreswechsel im Delhi Flughafen verbracht und sind nun mit unserem zweiten Flieger von Bangkog nach Melbourne mehr als glücklich, weil wir hier praktisch den ganzen Flieger für uns haben und uns über alle Sitze quer legen können.



Noch mehr Indien?

28 12 2010

Wahnsinn, inzwischen haben wir 100 Blogkommentare von Euch (na gut ein paar wenige Antworten von uns sind auch dabei) das finden wir toll und das motiviert uns auch relativ regelmäßig zu schreiben. Uns begeistert es richtig, dass Ihr nach einem ganzen halben Jahr immer noch so zahlreich unseren Blog lest. Danke fürs dabei sein.

An die Kühe auf der Straße, an die zeitweise offene Kanalisation und die vielen Menschen haben wir uns schon ganz gut gewöhnt. Manchmal sehen wir den Müll auch schon gar nicht mehr. Was mir aber immer noch komisch vorkommt, ist, wie ich als Frau behandelt werde. Zwischen unangenehmem Anstarren und schlichtweg gar nicht beachten (nicht mit mir reden, keine Bestellung von mir aufnehmen, mich nicht begrüßen…) gibt es nur wenige angenehme Ausnahmen.

In Udaipur, dem nächsten Stopp auf unserer Indienreise, geht es schon viel gemächlicher zu. Hier leben nur ca. 400.000 Einwohner, also für Indien eine echte Provinzstadt. Udaipur ist bekannt für seine schöne Lage am See und durch den Bond-Film “Octopussy” und tatsächlich hat es uns so gut gefallen, dass wir noch mal zwei Tage drangehängt haben. Das weiße Gebäude mitten im Wasser ist ein 5 Sterne Hotel in dem wir wirklich gerne übernachtet hätten. Aber die 500€ fürs Doppelzimmer sprengen einfach unser Budget.

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Weiter ging es über Ranakpur, eine wunderschöne Tempelanlage, nach Jodhpur. Diesmal haben wir uns einfach ein Taxi für die ca. 300km lange Strecke genommen. Zum Einen, weil es finanzierbar ist zum zweiten ist es auch sehr viel komfortabler und zum Dritten sehen wir uns so nicht mit den haarsträubenden hygienischen Verhältnissen in den sogenannten “Deluxe-“ Bussen konfrontiert.

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In Jodhpur haben wir uns eine Unterkunft mit einem netten Garten zum Entspannen gesucht, um hier die Weihnachtstage zu verbringen. Nachdem wir mit Hilfe des freundlichen Personals unsere Mitbewohner in unserem Bungalow fast vollständig losgeworden sind, eine Eidechse und eine Maus (wir haben sie Marry genannt) haben sich so gut versteckt, dass wir die beiden bis heute nicht gefunden haben, haben wir uns das prächtige Fort angeschaut. Das hat uns richtig Freude gemacht, im Eintrittspreis war ein deutscher Audioguide enthalten, der uns eine gelungene Mischung aus Geschichten, Geschichte und Gegenwart erzählt hat . Zudem  ist das Fort richtig gut erhalten und es sind viele Räume im eingerichteten Zustand anzuschauen.

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Das Fort in Jodhpur                                        Die blaue Stadt Jodhpur

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Eins der toll eingerichteten Räume im Jodhpur Fort/Anette bei unserem Weihnachtsessen

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und wenn Ihr diesen Blogeintrag erst im neuen Jahr lest, wünschen wir Euch ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2011 in dem wir wieder zu Euch zurückkommen.

Liebe Grüße Anette+Thorsten



Ohhh Indien

18 12 2010

Wir wissen noch nicht, ob es gut ist, dass es von Indien am meisten zu erzählen gibt, aber wir fangen jetzt einfach mal an….

Es war 3:30 Uhr Ortszeit am frühen Morgen, als wir in New Delhi angekommen sind. Nach langem Einreiseprozedere dachten wir, gehen wir mal  unseren bestellten Fahrer suchen der uns zum Hotel bringen sollte. Pustekuchen, natürlich hat keiner auf uns gewartet. Also haben wir uns eben ein Taxi genommen und sind in unsere gebuchtes Hotel gefahren. Wir hatten uns auf einen Schock eingestellt und so kam es auch. Als uns der Fahrer durch die Straßen fuhr, in denen die Menschen zwischen Müllbergen in mitten der Nacht vor dem Feuer saßen. Wenigstens hat er das Hotel nach dreimaligem Nachfragen gefunden und wir konnten endlich in unser lang ersehntes Bett gehen.

Nach ein paar Stunden Schlaf ging es dann raus, mit der grandiosen Idee einen Zug für den nächsten Tag zu buchen. Bei Mc Donald’s dann die erste Begegnung mit der indischen Traveller-Brüder-Onkel-Povisions-Mafia. Im Reiseführer wird vor Ihnen gewarnt und ebenso genau sind die Methoden beschrieben mit denen sie vorgehen.

Zwei nett wirkende Inder sprechen uns an: Ach das muss für euch ja komisch sein, hier bei Mc Donald`s. Das seid Ihr bestimmt nicht gewohnt von zu Hause. Nach einem halbstündigen Gespräch über Indien und das Bereisen dieses Landes ging es noch in eine nette Bar nebenan, in der wir eine Cola und ein Bier getrunken haben (natürlich wurden wir eingeladen “It’s my pleasure”). Lügen wurden uns aufgetischt, von denen wir bei vielen natürlich erst später erfahren haben, dass wir nicht allzu viel Wahres erfahren haben. Natürlich endet so ein Gespräch immer damit, dass der nette Inder einen zu einem netten Reisebüro bringt in dem man zu ganz “GÜNSTIGEN” Europäer Preisen eine tolle Rundreise buchen kann. Also gut, haben wir uns das auch noch angehört. Ein paar gute Tipps hat uns der Mann dann noch gegeben bevor wir aufgestanden sind und “leider” noch mal über alles nachdenken mussten bevor wir irgendetwas entscheiden können. Jaja, Leute, das gibt mieses Karma, das ist euch schon klar, oder?

Wir würden wirklich schrecklich gerne eine Rundreise buchen,  aber leider haben wir so viel negatives darüber gehört und auch gelesen, dass wir uns also entschlossen haben, doch wieder auf eigene Faust zu Reisen.

Die New Delhi Trainstation:

Als ich vor Jahren mal darüber nachgedacht habe, was wohl der schlimmste Ort der Welt ist, da ist mir der New Dehli Hauptbahnhof eingefallen. Und heute können wir euch bestätigen, dass es für uns tatsächlich der schlimmste Ort der Welt ist (zumindest den wir gesehen haben). Ein Gewusel von vielen tausend Menschen,  die Luft ist voller Smog, hunderte Autos, Rikschas und Bussen fahren hupend durch ein einziges Verkehrschaos. Die Menschen spucken uns vor die Füße, mindestens 20 erwachsene Männer rennen Dir hinter her (“Wanna Taxi? Rikscha? Where do you want to go? Touristbüro?” “RUHE!!!!!”) und wollen Dir irgendetwas verkaufen, dazu wird man noch angebettelt… (und hinter “…” verstecken sich noch weitaus ekeligere Zustände, die wir euch ersparen) Der Wahnsinn. Aber ein wahres Erlebnis!

Nachdem der gebuchte Zug am Abreisetag schon 3 Stunden Verspätung hatte, haben wir uns entschlossen mit anderen europäisch aussehenden Travellern einen Fahrer zu nehmen und uns zum Taj Mahal bringen zu lassen. Es gab nur noch ein kleines Problem das wir zu lösen hatten: wir mussten unsere Zugtickets zurückgeben, an einem, sagen wir mal, etwas unübersichtlichem Fahrkartenschalter: Und dafür ist dann Anette zuständig. 55L Rucksack aufgezogen und mit sanften Drängelbewegungen bis ans vordere Ende der Schlange durchgekämpft. Dort angekommen noch ein freundlicher Kommentar nach hinten : “I`m a girl”. Irre. In Indien muss es extra Warteschlangen für Frauen geben. Gib`s das nicht, ist es Frauen erlaubt, sich ganz vorne anzustellen. Das klappt perfekt.

Nachdem der Taj Mahal Fahrer natürlich auch von der besagten Maffia ist, hat er auf der Fahrt  auch noch probiert uns von seinen Bekannten zu überzeugen, die das beste Hotel… haben. Irgendwann half dann leider nur noch anbrüllen und klipp und klar sagen, was wir von ihm erwarten. Und siehe da, es funktioniert. Den Abend haben wir dann mit den super netten Travellern verbracht und uns ein Abendessen mit Getränken für 5 Personen für ca. 8€ gegönnt. Ja, günstig leben kann man hier!

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5:30 Uhr am  nächsten Morgen: der Wecker klingelt um das Taj Mahal zu besichtigen. Schnell Tickets gekauft und um 6:20 Uhr auf den Einlass gewartet um das Taj Mahal bei Sonnenaufgang zu besichtigen.

Das schönste Bauwerk der Welt? Ja! Zumindest das schönste, das wir je gesehen haben. Das sehr gut gepflegte Marmorgebäude wird von dem Morgenlicht angestrahlt. Ein toller Moment.

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Wir müssen vielleicht dazu sagen, dass uns alle Traveller, die wir auf unser bisherigen Reise getroffen haben, uns angeraten haben, sowohl nicht in New Delhi als auch nicht in Agra (die Stadt in dem das Taj Mahal steht) zu viel Zeit zu verbringen, weil es dort laut und chaotisch ist. Recht hatten sie!!!

Na gut, dann eben nach Jaipur. Hier ist es ein bisschen ruhiger und entspannter. Wir nehmen uns für zwei Tage einen Rikschafahrer und schauen uns die Gegend an. Richtig toll Sightseeing und Shopping im Wechsel. Und tatsächlich macht er erst am Nachmittag des zweiten Tages Probleme, als wir ihm nicht genügend Zusatzprovision in diversen Schmuckgeschäften, Stoffläden, anderen Hotels oder Elefantenreitvermittlern (Toll, hier hat sogar der Vermittler einen Vermittler) einbringen.

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Und was gibts außer dem Taj Mahal noch schönes in Indien? Die Frauen in ihren farbenfrohen Saris sind immer ein Blickfang. Shoppen macht bei den Preisen auch Spaß (Was kostet nochmal ein Träger für die Rucksäcke?) und das Essen kann auch lecker sein.

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(Chick, oder? Diesen Sari darf ich aber erst tragen, wenn ich einen Sohn geboren habe)



Hallo Welt!

3 03 2010