Die Wüste lebt

22 11 2010

Es gab ein paar Punkte auf unsere Südamerika Etappe, auf die wir uns immer als Highlight gefreut haben. Perito Moreno war so ein Highlight, die Osterinsel, natürlich. Die Iguazú-Wasserfälle und Rio de Janeiro werden eins sein. Und eben San Pedro de Atacama im chilenischen Norden. Aber wie das so ist mit hohen Erwartungen… manchmal kann die Wirklichkeit dem nicht Stand halten.

Auf einer, der extremen Höhe wegen, ziemlich anstrengenden Busfahrt über einen 4300m Andenpass von Salta in Argentinien kamen wir hier her. Mitten in die Atacama Wüste. Das Dorf eine Touristenblase. Unsere Unterkunft zum Glück eine Oase der Ruhe.

Der Plan war einen Mietwagen zu nehmen und die Geysire auf eigene Faust anzuschauen, um einer dieser Touren, die wir so besonders lieben, zu entgehen. Aber, es war in dem ganzen Dorf kein einziges Auto aufzutreiben. “Dienstag wieder” sagt uns der Anbieter, schlecht nur das wir am Dienstag den Bus zurück nach Salta in Argentinien gebucht haben. Na gut. Kann man nichts machen.

Der Plan war auch, die Sternenwarte zu besuchen um durch riesige Teleskope den Sternenhimmel zu beobachten. Aber, es ist Vollmond und die Sternenwarte geschlossen, weil es am Himmel viel zu hell ist.”Dienstag wieder” sagt die nette Dame von der Sternenwarte  Suuuuuuuuuper. Blöder Mond!

Also fragen wir unseren Hostelbesitzer ob er nicht jemand kennt der uns ein Auto für einen Tag vermachen kann. “Dienstag wieder” sagt er uns. Wir haben uns jetzt halt einfach gesagt es soll so sein, so können wir damit am besten umgehen.

Also quälen wir uns morgens um 3:30Uhr aus dem Bett um pünktlich um 4:00Uhr vor dem Hostal zu stehen und warten eine geschlagene halbe Stunde auf den blöden Touribus und sind bis dahin schon halb erfroren. auf einer zweistündigen Ruckelpistenfahrt (Eingezwängt wie ein Huhn in der Legebaterie, unter mir der Radkasten, links die metallene Seitenwandverkleidung die ganz langsam die Außentemperatur annimmt. Bewegen ist nicht und ich wünsche mir den Konstrukteur dieses Sitzplatzes herbei um ihn mal zwangsweise 2 Stunden diese Fahrt erleben zu lassen. Das Fahrzeug ist übrigens aus Deutschland.)   kamen wir bei “bester” Laune an dem Geysirfeld an. Es ist mit -8°C schmerzhaft kalt und die dünne Luft auf 4300m.ü.M. trägt nicht unbedingt zu unserem Wohlbefinden bei.

Die Geysire sind aber dann hübsch anzuschauen, es kocht, zischt, spritzt, dampft und brodelt aus den Löchern in der Erde. Unser Guide schimpft uns zwar wegen “unerlaubten Entfernens vom Klassenzimmer” (All together now, OK?!?!?), aber warum soll ich mit 20 anderen um einen Geysir drängeln, wenn`s da noch andere gibt? Zum Frühstück verabschiedet sich dann langsam mein Kreislauf (“mir ist zu kalt, die Luft zu dünn und deine heiße Schokolade hast du auch zu schnell auf leeren Magen getrunken”  MEMME!) und erst nach dem dritten Cocatee und einigen besorgten Blicken des Tourguides wird es wieder besser. Heiße Quellen gibt es auch noch. Dort kann man baden, wenn es einem nichts ausmacht sich bei Minusgraden vor 300 Touristen auszuziehen.

P1030597 P1030599

P1030616

Auf dem Rückweg, auf dem wir alle langsam wieder auftauen, müssen wir dann noch einen Ententeich bestaunen und werden in ein Dorf geschippert, das angeblich auf 4700m.ü.M. liegen soll und in dem nur 4 Familien ganz ursprünglich leben. Wir beschließen beides nicht zu glauben. Bestimmt hauen die “Einheimischen” auch wieder ab, wenn die Touris weg sind.

P1030624

Als wir auf dem Weg aber einen völlig zerknautschten Mietwagen sehen, der gerade einen Überschlag hinter sich hat, sind wir doch ein bisschen froh, dass wir in unsere Tourigondel wie die Legebatteriehühnchen sitzen dürfen.

Das schönste an der ganzen Tour? Ganz klar! Die Lachgummis, die Trixi & Mathias (mit Ihnen waren wir auch im Valle de la Luna & Nationalpark Talampaya und haben sie hier wieder getroffen) uns geschenkt haben.

Sorry fürs Schimpfen aber  muss auch mal sein!

Am nächsten Tag dann noch eine Tour, was sollen wir halt auch anders machen? Die war aber richtig nett. Zuerst ging es zu einem Salzsee. Wir wollten schon immer mal wissen, wie es sich anfühlt, wenn man vom sehr salzhaltigen Wasser so hochgeschwemmt wird. Es ist total lustig. Wir haben die ganze Zeit nur gelacht.

P1030630 P1030647

P1030638

Anschließend wurden wir zu einem kreisrunden Tümpel gefahren, der entstand, weil ein Meteorid eingeschlagen ist. Thorsten ist gleich mal reingesprungen.

P1030655 P1030663

Und zum Schluss gab es bei Pisco Sour (dem eindeutig schmackhaftesten Lebensmittel in ganz Chile) und Chips einen Sonnenuntergang bei einem Salzsee, der nur 10cm tief ist. Und vom Bus aus einen grandiosen Vollmondaufgang.

P1030667 P1030672

P1030683 P1030684

Ganz liebe Grüße aus der Wüste, Anette & Thorsten